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Kapitalertragsteuer Österreich

Kapitalerträge richtig versteuern

Gewinne aus dem Handel mit Wertpapieren, erhaltene Zinsen und Fondserträge haben nicht nur gemeinsam, dass sie für ein mehr oder weniger großes Plus auf dem Konto sorgen und den Kontoinhaber erfreuen. Denn gerne wird darüber vergessen, dass sie alle auch versteuert werden müssen. Es handelt sich dabei um Kapitalerträge, die wie in fast allen europäischen Staaten auch in Österreich der Steuerpflicht unterliegen. Die so genannte Kapitalertragsteuer (KESt) wird bereits seit 1994 erhoben.

Was ist die Kapitalertragsteuer?

Die Kapitalertragsteuer muss auf Kapitaleinkünfte entrichtet werden und ist eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer. Sie ist als Abgeltungssteuer konzipiert. Das bedeutet, dass sie automatisch durch die depotführende oder auszahlende Bank beziehungsweise den depotführenden Broker an das Finanzamt abgeführt wird. Aus diesem Grund ist es für Sie nicht nötig, die Einkünfte in die Steuererklärung aufzunehmen. Bestimmte Kapitalerträge sind endbesteuert, sie unterliegen also nach dem Abzug der Kapitalertragsteuer keinen weiteren Steuern. Alle abzugsverpflichteten Anleger oder Sparer müssen Einkünfte aus ihrem Kapitalvermögen ab dem ersten Euro versteuern. Es existiert kein Kapitalertragsteuer Freibetrag.

Wertanlagen und Kapitalerträge

Die Kapitalertragsteuer muss, wie der Name vermuten lässt, auf Kapitalerträge gezahlt werden. Doch welche Einkünfte sind davon genau betroffen? Erst 2012 wurden die Bestimmungen zu dieser Besteuerung neu geordnet. Zuvor waren lediglich laufende Einnahmen aus dem Kapitalvermögen steuerpflichtig. Nun müssen auch Gewinne aus Verkäufen von Kapitalanlagen berücksichtigt werden. Die neuen Regelungen gelten für den sogenannten Neubestand. Das sind Käufe von Aktien, Investmentfonds und Immobilienfonds ab dem 1.1.2011 und von Forderungswertpapieren und verbrieften Derivaten ab dem 1.4.2012.

Folgende Kapitalerträge fallen unter die Kapitalertragsteuer :

  • Dividenden: Unternehmen zahlen Dividenden an Anteilseigner. Die ausgezahlten Gewinne müssen einmal jährlich versteuert werden.
  • Zinserträge: Bankeinlagen und Forderungswertpapiere erzielen über Zinserträge Gewinne, die ebenfalls versteuert werden.
  • Kursgewinne: Mit Derivaten werden bei Kurssteigerungen zu versteuernde Gewinne erzielt.
  • Realisierte Wertsteigerungen: Wird ein Wertpapier zu einem höheren Kurs verkauft, als es ursprünglich gekauft wurde, wird eine Wertsteigerung realisiert. Die Differenz muss versteuert werden.

Steuererklärung bei ausländischen Kapitalerträgen

Auch Kapitalerträge, die im Ausland entstanden sind, sind kapitalsteuerpflichtig. Da hier der Steuerabzug mangels inländischer, depotführender oder auszahlender Stellen meist nicht direkt möglich ist, müssen Sie diese in der Steuererklärung veranlagen. Dies gilt beispielsweise für Zinserträge bei ausländischen Banken. Sie werden jedoch auch dann unabhängig vom übrigen Einkommen mit dem Kapitalertragsteuersatz versteuert.

Sollte im Entstehungsland ausländischer Erträge eine Quellensteuer anfallen, so wird diese entsprechend einem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen auf die österreichische Einkommensteuer angerechnet.

Zwei Steuersätze für Kapitalerträge

Seit der Steuerreform, die 2016 in Kraft trat, müssen die meisten Kapitaleinkünfte mit 27,5 % versteuert werden. Lediglich für Kapitalerträge aus Geldeinlagen und nicht verbrieften sonstigen Forderungen bei Kreditinstituten beträgt der Steuersatz 25 %. Wenn Sie die anfallende Kapitalertragsteuer berechnen möchten, müssen Sie also zwischen den verschiedenen Kapitalerträgen unterscheiden. Möchten Sie wissen, wie hoch ihre persönlichen Zahlungen ausfallen, kann es sinnvoll sein, dass Sie sich an Ihr zuständiges Finanzamt wenden.

Günstigerer Steuersatz im Rahmen der Einkommenssteuer

Es besteht die Möglichkeit, Kapitalerträge mit dem Einkommenssteuersatz zu versteuern. Dies lohnt sich vor allem für Anleger, die mit einem Einkommen von bis zu 11.000 Euro pro Jahr von der Einkommenssteuer befreit sind oder deren Einkommenssteuersatz geringer als 25 % ausfällt. In diesem Fall ist es im Rahmen der Steuererklärung möglich, die Veranlagung zum allgemeinen Tarifsteuersatz zu beantragen. Man spricht hier von einer Regelbesteuerungsoption.

Da die Kapitalertragsteuer als Abgeltungssteuer direkt von der Bank an das Finanzamt abgeführt wird, ist es in diesem Fall notwendig, für die Erstattung der Kapitalertragsteuer zu sorgen. Die dafür nötigen Formulare können beispielsweise über die Internetseite des Bundesministeriums für Finanzen erhalten werden. Der zu zahlende Einkommensteuerbetrag wird auf die bereits entrichtete Kapitalsteuer angerechnet, der Rest rückerstattet.

Steuerlast senken und Verluste mit Gewinnen gegenrechnen

Vor allem Inhaber eines Depots, die Erfahrungen mit dem Handel mit Wertpapieren gemacht haben, wissen, dass dieser nicht nur Gewinne abwirft. Immerhin: Wenn Sie durch die Veräußerung von Kapitalvermögen oder Derivaten Verluste hinnehmen mussten, können Sie diese teilweise mit Ihren Gewinnen gegenrechnen und so die Steuerlast mindern. Dabei gibt es jedoch Einschränkungen. So kann beispielsweise keine Verrechnung mit Zinsen aus Bankeinlagen erfolgen. Zudem können sich nur gleichartig besteuerte Verluste und Gewinne aus dem gleichen Jahr gegenseitig ausgleichen. Anleger, die in einem Jahr Verluste von 1.000 Euro machen, können diese nicht steuermindernd auf ein gewinnbringendes Jahr übertragen. Der Verlustausgleich erfolgt automatisch, der Steuerpflichtige erhält eine Bescheinigung.

Kapitalertragsteuer Österreich: Einnahmen stressfrei versteuern

Für viele Menschen sind Steuern ein notwendiges Übel. Vergessen und verdrängen sollten Sie sie trotzdem keinesfalls. Dies gilt auch bei Kapitaleinkünften. Die Kapitalertragsteuer hat den Vorteil, dass sie von Banken automatisch ohne das Zutun des jeweiligen Steuerpflichtigen an das Finanzamt abgeführt wird. Anleger können sich diesbezüglich also entspannt zurücklehnen und sich stattdessen über ihre erfolgreichen Kapitalanlagen freuen.

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