Binäre Optionen: Simpel aber riskant

Wetten auf aktuelle Börsenkurse

Anlagen an der Börse sind in vielen Fällen sehr komplex. Es braucht eine passende Anlagestrategie, es wird überlegt, in welche Produkte, Firmen, Anlageformen überhaupt investiert werden soll. Wann wird gekauft, wann verkauft? Wer langfristig Rendite mit Aktieninvestitionen erwirtschaften möchte, braucht nicht nur Erfahrung, sondern auch ein Quäntchen Glück. Viele Privatanleger scheuen sich daher, in den Aktienmarkt einzusteigen. Eine vermeintlich einfachere Methode, die auch bei kleineren Geldbeträgen schon Gewinne erzielt, wird immer häufiger insbesondere von Social Trading Plattformen beworben: Der Handel mit binären Optionen. Doch hinter dem als einfach dargestellten Produkt verbirgt sich eine riskante Spekulationsvariante, die nur von erfahrenen Anlegern genutzt werden sollte.

Was sind binäre Optionen?

Binäre Optionen sind eine chancen- und risikoreiche Handelsart mit Finanzderivaten. Nicht umsonst wird der Handel mit binären Optionen häufig mit Wetten oder Glücksspiel verglichen. Wer mit binären Optionen handelt, setzt im Grunde auf steigende oder fallende Kurse. Binäre Optionen sind keine Aktien oder Wertpapiere, die an einer Börse gehandelt werden. Sie sind stattdessen eine Vereinbarung mit einem Handelspartner – in den meisten Fällen einem Broker –, mit dem die Rahmenbedingungen für die „Wette“ festgelegt werden.

Im Grunde läuft es auf folgendes hinaus: Der Spekulant setzt auf ein bestimmtes Ereignis, zum Beispiel: Der DAX wird an diesem Tag eine bestimmte Marke unterschreiten. Tritt das Ereignis ein, macht der Anleger entsprechend des angebotenen Hebels Gewinn. Tritt das Ereignis nicht ein, verliert der Spekulant aufgrund der speziellen Handelssystematik der Binären Optionen den gesamten Einsatz. Trotz der möglicherweise hohen Verluste, erleben Binäre Optionen derzeit einen Beliebtheitsaufschwung. Das vermeintlich einfache Prinzip macht den Handel mit binären Optionen für viele attraktiv. Sie erliegen dem Irrtum, dass ein tieferes Börsenwissen nicht notwendig ist, um schnell Gewinne zu erzielen.

Tatsächlich ist es möglich, auch ohne Einarbeitung einfach zu setzen, und den Handel mit binären Optionen als reines Glücksspiel zu betreiben. Es gilt aber zu bedenken, dass als Basiswerte für Binäroptionen Indizes, Aktien, Devisen oder Rohstoffe herangezogen werden. Wer Handelsflüsse in diesen Kategorien durchschaut und Marktbewegungen einschätzen kann, hat höhere Chancen, Gewinne aus den Investitionen zu ziehen.

Reich werden mit binären Optionen? Chancen und Risiken

Der Handel mit binären Optionen ist extrem riskant. Von traumhaften Gewinnen hin bis zum Totalverlust ist alles möglich. Die zwei Optionen – Ereignis tritt ein oder nicht – bedeuten für den Spekulanten eben auch: Hopp oder Top, Gewinn oder Verlust. Im Englischen ist die Formulierung „Cash or Nothing“ gebräuchlich. Eine Zwischenform ist nicht möglich. Für Anleger bedeutet das, dass die alte Börsenregel, laut der nur mit Geld gehandelt werden sollte, dessen Verlust man verschmerzen kann, hier umso mehr gilt.

Verlockend sind die „Quoten“ – um im Wettjargon zu bleiben –, die Broker Spekulanten anbieten. Bei binären Optionen wird bereits bei Auftragserstellung ersichtlich, wie viel Gewinn im Falle des eintretenden Ereignisses möglich ist. Meist wird dies in Form einer Prozentzahl angeben. Liegt der sogenannte Payout zum Beispiel bei 79 %, so erhält man bei einem Einsatz von 100 Euro im Falle einer richtigen Kurseinschätzung 179 Euro. Eine Rendite von 79 % ist mit den meisten Formen der Geldanlage nur schwer zu erreichen. Allerdings steht dem im Falle einer Falscheinschätzung ein Totalverlust des Einsatzes, im Beispiel also 100 Euro, gegenüber.

Aus diesen Daten lässt sich auch sehr schnell berechnen, dass man überdurchschnittlich oft richtig liegen muss, um Gewinne mit binären Optionen zu machen. Setzt ein Spekulant 10 Mal und liegt davon jeweils 5 Mal richtig und 5 Mal falsch, ergibt sich nach dem oben genannten Beispiel ein Gewinn von 395 Euro und ein Verlust von 500 Euro. Um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen, müssen im Beispiel 7 von 10 Tipps richtig sein. Auf diese Weise relativieren sich die enormen Gewinnchancen der einzelnen Options-Transkation, denn entscheidend ist, dass man am Ende einer Handelsperiode im Plus ist – gar nicht so leicht, wenn man bedenkt, dass dazu eine Erfolgsquote von 70 % notwendig ist.

Gewinne binäre Optionen: Strategie oder Glück?

Online findet man tausende Strategien für binäre Optionen, die schnelle Erfolge versprechen. Dennoch sollte man diese mit Vorsicht genießen. Letztlich unterliegen Kurse immer diversen Schwankungen und werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Statistische Varianten, Trendindikatoren oder Zufallsprinzip – alle Möglichkeiten können funktionieren oder eben nicht. Die Märkte sind stets im Fluss und niemand kann alle Aspekte berücksichtigen. Entsprechend unrealistisch sind die meisten „einfachen“ Strategien, die im Internet angeboten werden. Zwar sind die Wahlmöglichkeiten auf zwei begrenzt, nämlich steigender oder fallender Kurs, dies ändert aber nichts an der Komplexität des Basiswertes der binären Option.

Für Menschen, die ihr Glück oder strategisches Können an binären Optionen versuchen wollen, ist daher ein Punkt wichtig: Mit Verlusten rechnen! Ein ausgefeiltes Money-Management ist gerade im hochspekulativen Sektor unerlässlich, ebenso wie realistische Risikoeinschätzungen.

Binäre Optionen: Handeln nur mit passendem Depot

Wer mit binären Optionen handeln möchte, braucht dafür einen passenden Broker. Nicht alle bieten diesen Handel an, meist sind es spezielle Anbieter, die sich auf den Handel mit binären Optionen, CFDs und Devisen spezialisiert haben. Die Wahl eines passenden Brokers ist nicht zuletzt entscheidend für die Rendite. Gebühren und Kosten sind ein wichtiger Punkt, aber es gibt noch weitere Aspekte, die man bei der Wahl beachten sollte.

5 wichtige Kriterien für die Brokerwahl

Regulierung durch eine Aufsichtsbehörde

Da binäre Optionen keine Aktien sind und nur auf dem Vertrag zwischen Kunde und Broker beruhen, müssen die Geschäfte nicht von einer Finanzaufsichtsbehörde geprüft werden. Dies führt zu zahlreichen unseriösen Anbietern. Seriöse Broker unterstellen sich freiwillig der Aufsicht durch eine Finanzbehörde. Vor Abschluss sollte man sich versichern, dass es sich um einen seriösen, geprüften Anbieter handelt.

Gebühren und Kosten

Einer der wichtigsten Punkte, denn vom ihm hängt auch die Rendite ab. Werden Kontoführungsgebühren erhoben? Wie hoch ist der Spread? Muss für andere Funktionen gezahlt werden? Alles muss in die Kalkulation einbezogen werden, denn die Fixkosten fallen teilweise auch an, wenn nicht aktiv gehandelt wird.

Mindesteinzahlung und Starteinsatz

Bei den meisten Brokern muss man eine Mindesteinlage einzahlen, bevor man handeln kann. Dies dienst auch zur Sicherheit. Höher heißt hier nicht unbedingt schlechter, doch bindet man auf diese Weise dennoch Geld, das nicht anderweitig genutzt werden kann. Außerdem wichtig: Ab welchem Betrag kann man handeln? Besonders für Einsteiger eignen sich Broker, bei denen man auch mit kleinsten Einsätzen handeln kann.

Handelskonditionen

Neben den Gebühren ist es sinnvoll, auch einen Blick auf die Handelskonditionen zu werfen. Welche Handelszeiten gibt es? Kann man den Verfallszeitpunkt der binären Optionen selbst festlegen und welche Zeitspannen stehen zur Verfügung? Wie viele Basiswerte stehen für den Handel überhaupt zur Verfügung? Die Konditionen sollten bestenfalls zum eigenen Handelsverhalten passen und diesem entgegenkommen.

Technische Performance

Häufig wird in Broker-Werbungen davon gesprochen, dass man die binären Optionen durch die limitierten Möglichkeiten quasi nebenbei handeln kann. Dazu gehört aber, dass eine funktionierende App zur Verfügung steht. Die Bedienung – egal ob am Computer oder auf dem Smartphone – sollte einfach und intuitiv zu erlernen sein. Sehr wichtig ist auch eine gute Performance der Broker-Seiten und Anwendungen. Kurse ändern sich im Sekundentakt, es wäre fatal, wenn aufgrund schlechter Verbindungen ein Handel nicht pünktlich zustande kommt.

Mit Glück, Strategie und Vorsicht handeln

Wer als Anleger das Risiko schätzt, hat mit binären Optionen eine vordergründig einfache Handelsform, die sich auch für kurzfristige Anlagen von unterwegs aus eignet. Die versprochenen Werbeaussagen, dass jeder einfach und ohne Vorkenntnisse schnell Geld mit binären Optionen verdienen kann, stimmen dagegen nicht. Um in der Gewinnzone zu bleiben, müssen mehr als zwei Drittel der Einschätzungen zum Kursverlauf richtig sein. Dies ist ohne Marktkenntnisse und etwas Glück in der Regel nicht möglich. Mit einem ausgefeilten Money- und Risikomanagement versehen, können erfahrene Anleger aber mitunter dennoch positive Ergebnisse erzielen beim Handel mit binären Optionen. Erfahrungen können auch vorab mit einem meist kostenlosen Demokonto gesammelt werden. So kann man sich, ohne bereits richtiges Geld einzusetzen, von den Chancen und Risiken dieser Handelsform überzeugen.

Anleger, die lieber in sicherere Handelsarten investieren möchten, sind mit den klassischen Aktien oder aber ETFs besser beraten. Insbesondere Letztere bieten auch Anfängern einen leichten Einstieg in die Börsenwelt mit geringen Verlustrisiko. Um diese Anlagemöglichkeiten zu nutzen, sind auch keine spezialisierten Anbieter notwendig, sondern es genügt ein klassisches Depot bei einem Online Broker.